Von der Mongolei nach China: Drohnen-Chaos, Chinesische Mauer, Peking bis nach Qingdao

Aufbruch aus Ulaanbaatar


Es ging nach einer der längsten Pausen dieser Reise wieder los – raus aus Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei. Nach Istanbul war es die zweitlängste Pause, fünf Tage an einem Ort. Dieses Mal ging es nicht allein weiter, sondern mit Hauke. Wir folgen uns schon seit ein paar Monaten auf Instagram, und da es bei ihm zuletzt nicht so lief, trafen wir uns in Ulaanbaatar und entschieden, gemeinsam weiterzufahren. Unser nächstes großes Ziel: Peking.


Wir entschieden uns gegen die Gobi-Strecke und wollten in den ungewissen Osten der Mongolei, wo Informationen schwer zu finden sind. Am ersten Tag kamen wir noch an der riesigen Dschingis-Khan-Statue vorbei. Ein beeindruckender, aber zugleich zwiespältiger Moment – man versteht die Bedeutung für das Land, denkt aber gleichzeitig an die blutige Geschichte dahinter.


Die ersten Tage waren eintönig, nur das Wetter brachte Abwechslung: Gegenwind, Rückenwind, starker Wind – alles dabei. Die Straßen waren meist gut asphaltiert. Wir wählten eine alternative Grenzroute, um 300+ km Umweg zu vermeiden. Trotzdem waren die drei Tage Offroad anspruchsvoll: schlechte Strecken, aber machbar, manchmal sogar richtig spaßig. Kurz wollten wir hitchhiken, stiegen schon in einen LKW, aber der fuhr in die falsche Richtung, also fuhren wir selbst weiter. Die Landschaft war einsam, noch einsamer als im Westen der Mongolei, kaum Dörfer oder Menschen.


Rückblickend hatte ich gemischte Gefühle über die Mongolei: Die Landschaft und die Abenteuer waren beeindruckend, vor allem das Mané-Tal, aber die Steppe konnte auch ermüdend wirken. Gut, dass es weiterging – auch wenn neues Land nicht unbedingt neue Landschaft bedeutet.



Grenzabenteuer und die Drohne


An der Grenze lief die mongolische Seite entspannt, aber zur chinesischen durften wir nicht mit dem Rad fahren – also Fahrrad aufs Auto und rüber. Dann begann der Stress: Scanner, Taschen, Kameras, iPad, Telefone – alles wurde genau kontrolliert. Selbst Haukes deutsches Tagebuch wurde gelesen. Bei mir dasselbe, Beamte waren überrascht über meinen Passstempel aus Marl.


Die Drohne wollte Aufmerksamkeit: Sie verlangten eine Genehmigung, obwohl kleine Drohnen laut chinesischer Regelung keine brauchen. Ich zeigte die offizielle Website auf meiner chinesischen eSIM – trotzdem stundenlange Diskussionen, Telefonate und ständiges Warten.


Nach langem Hin und Her gab es drei Optionen:

1. Ohne Drohne einreisen und später versuchen, die Genehmigung zu bekommen.

2. Mit Drohne wieder in die Mongolei zurück (nicht möglich, Grenze schon geschlossen).

3. Drohne dort lassen und bei Ausreise wieder abholen.


Ich entschied mich für Option 1 – trotz sehr geringer Hoffnung. Dienstag über die Grenze, die Drohne blieb erst einmal dort. Ich checkte ins Hostel ein (3 Euro/Nacht), versuchte sofort, die Registrierung zu beantragen – ohne chinesische Telefonnummer ein schwieriges Unterfangen. Über WeChat blieb ich in ständigem Kontakt mit der Grenze und verschiedenen Ämtern. Telefonate, Nachrichten, Übersetzer – alles auf Englisch oder schlechtem Chinesisch.


Die Tage zogen sich. Immer wieder neue Nachrichten, Rückfragen, kleine Fortschritte, dann wieder Unsicherheiten – es fühlte sich an wie ein endloses Hin und Her. Erst am nächsten Abend die Nachricht: Die Drohne sei in der nächsten größeren Stadt, etwa 350 km von der Grenze entfernt. Ich musste noch weiterfahren, bevor ich sie abholen konnte.


Schließlich, am Samstag, vier Tage nach der Einreise, kam ich in der Stadt an. Die Drohne durfte nicht irgendwo abgeholt werden – ich musste sie persönlich in Empfang nehmen, Paket öffnen, erneut kontrollieren lassen. Endlich hielt ich sie wieder in den Händen. Vier Tage voller Warten, Diskussionen, Missverständnisse und ständiger Kommunikation – und am Ende alles richtig: keine Genehmigung nötig, alles legal. Verrückt, wie viel Aufwand eine kleine Drohne verursachen kann.



Landschaftswechsel und die Chinesische Mauer


Die Landschaft blieb zunächst flach und eintönig, wie die inneren Ebenen der Mongolei. Doch dann änderte sich das Bild: Hügel, Berge, Wälder – Dimensionen, wie ich sie seit Monaten nicht mehr gesehen hatte, wahrscheinlich seit Georgien.


Einer dieser Tage, an denen man realisiert, wie weit man schon gekommen ist: Am Fluss entlang, leichter Gegenwind, und plötzlich auf den Bergen ein paar Gebäude – die Chinesische Mauer. Wir machten noch einen kleinen Umweg in ein Dorf, packten Essen ein und fuhren zum Nationalpark. Der offizielle Eingang war zu, doch die Besitzerin eines Kiosks zeigte uns einen anderen Wanderweg.


Die kurze Wanderung entlang eines trockenen Flusslaufs fühlte sich besonders an. Und dann standen wir da: keine Dörfer, keine Straßen, nur Stille. Die Mauer zieht sich endlos über die Berge, uralt und mächtig. Wir waren allein, niemand sonst weit und breit. Kein Trubel, kein Lärm, nur der Sonnenuntergang, die Landschaft und wir. Ein Moment, der alles bündelte: die langen Tage, die Einsamkeit der Mongolei, die Herausforderungen an der Grenze.


Wir setzten uns, genossen die letzten Sonnenstrahlen, spürten Wind und Kälte, und konnten kaum glauben, dass wir mit dem Rad hierher gefahren waren. Vielleicht gibt es schönere Abschnitte, vielleicht andere Momente, aber dieser Augenblick – die Stille, die Weite, die eigene Leistung – bleibt unvergesslich. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie verrückt diese Reise ist.



Ankunft in Peking


150 km bis Peking standen an, ein Tag Strecke. Früh los, teilweise Radweg zerstört, trotzdem flogen die Kilometer. In Peking selbst entspannt durch die Vorstädte, gute Radwege, viel Platz für Fahrräder.


Drei schöne Tage in Peking, hauptsächlich zu Fuß unterwegs. Die großen Touri-Sachen abhaken, schöne Tempel besichtigen, darunter der nördlichste tibetische Tempel der Welt. Besonders schön waren die Nebenstraßen entlang eines Sees bei Sonnenuntergang. Einfach planlos durch die Stadt laufen, aus der Metro raus und die Viertel entdecken.


Am Abend traf ich zwei Chinesen, die ich vor 1,5 Monaten im Westen getroffen hatte. Sie leben in Peking und hatten damals Urlaub im Westen gemacht. Wir verabredeten uns, es gab selbstgemachte Nudeln und sogar ein Schnitzel, und wir spielten den ganzen Abend Mahjong. Überraschenderweise war ich richtig gut dabei, was alle ein bisschen zum Staunen brachte. Ein entspannter Abend nach den langen Tagen.


Am dritten Tag ging es zur Verbotenen Stadt, Tickets hatten wir schon vor vier Tagen gekauft. Strenge Kontrollen, Menschenmassen, aber wunderschöne Paläste und Innenhöfe. Besonders auffällig: viele Chinesen tragen traditionelle Kleidung nicht nur fürs Foto, sondern den ganzen Tag – ein schönes Bild in der Metro oder auf der Straße.



Fahrt nach Qingdao und Weiterreise nach Südkorea


Leider fährt die Fähre nur noch ab einem Fährhafen 150 km von Peking nicht mehr. Unser Plan: nach Qingdao radeln, etwa 650 km, perfekt für eine Woche. Die ersten Kilometer aus Peking hinaus: Felder, kleine Waldstücke, schnelle Veränderung vom Stadtleben.


Die Strecke durch abwechslungsreiche Landschaften war beeindruckend. Kleine Dörfer, traditionelle Gebäude, gelegentlich leere Hochhauskomplexe. Regentage zwangen uns einmal ins Hotel, aber warme Temperaturen machten es erträglich. In Qingdao noch eine Nacht im Hotel, kurze Tour durch die Altstadt, deutsche Architektur aus der Kolonialzeit, Heimatgefühle. Die Brauerei schafften wir nicht mehr, mussten zum Hafen – Fähre nach Südkorea.


China, zweites Kapitel: toll, trotz schlechter Strecken oder Luft, beeindruckende Menschen, Essen, Straßen, Landschaft. Ich freue mich schon auf ein mögliches drittes Kapitel.


Jetzt geht es erstmal nach Südkorea – ein Land, über das ich wie so oft nur wenig weiß.

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Kommentare: 1
  • #1

    Sandra (Donnerstag, 09 Oktober 2025 00:33)

    wieder ein toller Beitrag. Es macht immer viel Freude zu lesen, wieviel dir diese Reise gibt. Obwohl wir ja auch deine Komoot Beiträge lesen, sind deine Zusammenfassungen hier wirklich toll. Man liest deutlich raus, was dich begeistert.
    Ich wünsche dir eine schöne Zeit in Südkorea.