Wie alles Begann


Im Sommer 2024 bin ich losgefahren, direkt von zuhause aus. Kein Rückflugticket, kein fester Plan. Einfach raus in die Welt. Ich hatte gerade meinen Bachelor abgeschlossen – und statt direkt in den Master oder ins Berufsleben zu starten, wollte ich erstmal etwas anderes ausprobieren: raus aus dem Alltag, raus aus dem Gefühl, dass eh schon alles vorgegeben ist.


Manchmal steht man einfach da – mit dem Abschluss in der Tasche – und weiß nicht genau, wie es jetzt weitergeht. Arbeit? Master? Oder doch was ganz anderes? Kein fester Plan, kein „Danach“, nur dieser Gedanke: Ich will raus.


Aber eigentlich war dieser Traum schon länger da. Er kam nicht einfach so über Nacht. Alles begann mit einer Doku – Besser Welt als Nie. Meine Eltern hatten sie mir empfohlen, also saßen wir zusammen auf dem Sofa und schauten einem Typen zu, der mit dem Fahrrad durch die Welt fuhr. Irgendwas an diesem Film hat mich direkt gepackt – die Bilder, das langsame Tempo, die Art zu reisen, die Begegnungen. Irgendwie alles zusammen. Und seitdem war da dieser Gedanke im Kopf.


Nur ein halbes Jahr später ging’s dann wirklich los – drei Monate durch Deutschland. Kein Ziel, wenig Plan, aber dafür das erste Mal das Gefühl: Ich kann einfach losfahren. Und da war klar: Ich will mehr. Danach habe ich jede Semesterferien genutzt, um mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.


Aber der eigentliche Traum war größer: einmal richtig losfahren, ohne zu wissen, wann und wo es endet.


Ich weiß noch genau, wie ich in einer Vorlesung – Bodenkunde – saß und statt aufzupassen, Routen auf Komoot geplant habe. Plötzlich war alles auf der Welt möglich. Irgendwann war da die Idee: eine längere Tour, vielleicht zwei, drei Monate, zwischen Bachelor und Master, nach Japan? Und irgendwann wurde daraus: Ich fahr einfach nach dem Bachelor los – von zuhause aus. Ohne festes Ende.


Im März 2024 meinte dann meine Schwester Lina: „Du musst Mama und Papa jetzt mal sagen, was du eigentlich vorhast.“ Ich hab’s ausgesprochen – obwohl eh schon alle wussten, was kommt. Eine Überraschung war’s nicht mehr. Aber es war endlich ausgesprochen und es konnten die ersten Vorbereitungen beginnen. Auch der große Familienkreis wurde eingeweiht.


Also ging’s los. Bachelorarbeit donnerstags abgegeben, Freitag Verabschiedung, Samstag aufs Rad. Startpunkt: Zuhause in Marl. Ein bisschen aufgeregt, ein bisschen nervös, aber vor allem gespannt, was passiert, wenn man einfach losfährt. Und dieses Mal wirklich in die weite Welt.


Nach meiner ersten größeren Tour sagte mal jemand zu mir: „Die Zeit, die du jetzt hast, wirst du so nie wieder haben.“ Und dieser Satz ist geblieben. Ich dachte nur: Aber ich will diese Zeit haben – und wenn ich sie mir nehmen muss, dann tu ich das.


Und so wurde aus dem Traum irgendwann ein Versuch. Ein Versuch, ihn zu leben. Ich wollte sehen, ob’s klappt. Und wenn nicht – dann wusste ich wenigstens, dass ich’s versucht habe. Denn was mich wirklich geärgert hätte, wäre der Gedanke in zehn, zwanzig, dreißig Jahren: Warum hab ich es damals nicht einfach gemacht?


Am Anfang war alles neu: das tägliche Packen, die kleinen Entscheidungen – wo schlafen, wo einkaufen, wie weiterfahren? Und irgendwann wurde das Alltag. Aber ein anderer Alltag. Einer voller Dinge, die man nicht planen kann: Begegnungen, Pannen, Sonnenuntergänge, Regentage.


In der Türkei traf ich ein französisch-englisches Paar, wir redeten über unsere Gründe für diese Reise. Und irgendwann sagte einer von ihnen: „It’s just the passion.“ Und ich glaube, das ist es. Der Film damals hat genau das bei mir geweckt. Und jetzt bin ich unterwegs – um zu sehen, wohin mich dieser Versuch bringt.