Am Morgen bekam ich noch etwas Besuch am Schlafplatz. Während ich mein Fahrrad ein wenig sauber machte, stand plötzlich ein Mann neben mir. Er war freundlich, aber es war doch ein bisschen seltsam, wie er mich die ganze Zeit beobachtete – auch beim Abbauen des Zelts. Erst dachte ich, er wartet einfach darauf, dass ich gehe. Doch kurz bevor ich losfuhr, drehte er sich um und ging. Wahrscheinlich war er einfach nur neugierig.
Hier südlich des Flusses wirkt alles schon recht zivilisiert, und die Gastfreundschaft zeigte sich noch einmal besonders deutlich – vielleicht sogar stärker als zuvor. Neben den vielen Grüßen und Hupen bekam ich zwei Mal Wasser geschenkt. Einer der Männer zeigte mir sogar ein kleines Restaurant, und als ich am Ende bezahlen wollte, war das Essen schon bezahlt – von anderen Gästen, die vorher noch mit mir ein Selfie gemacht hatten.
Und auch wenn es „nur“ eine Mahlzeit war – es bleibt ein komisches Gefühl. Man ist unterwegs in einem Land, das wirtschaftlich deutlich schlechter aufgestellt ist, und trotzdem wird einem so viel gegeben. Man will eigentlich nicht annehmen, aber nach ein paar freundlichen, bestimmten Worten merkt man: Ablehnen wäre fast unhöflich.
Dann ging’s weiter nach Chiwa – auch Xiva oder Хива geschrieben. Die ersten beiden Unterkünfte hatten geschlossen, aber beim dritten Versuch hatte ich Glück: direkt innerhalb der alten Festungsmauern. Schnell eingecheckt, Tasche abgestellt und gleich los in die Stadt.
Viel erzählen kann man gar nicht – Chiwa ist einfach wunderschön. Eine dieser Städte, die man nicht beschreiben kann, sondern erleben muss. Vielleicht gibt es in Usbekistan noch ein, zwei Orte, die ein ähnliches Gefühl vermitteln – das wird sich zeigen.
Sowohl vor als auch nach Sonnenuntergang war Chiwa beeindruckend. Und trotz der historischen Kulisse lebt die Stadt: Kinder spielen Fußball in den engen Gassen, Menschen sitzen auf den Stufen ihrer Häuser und unterhalten sich.
Da Chiwa einer der bekanntesten Touristenorte des Landes ist, waren auch viele Reisende unterwegs – nicht nur internationale, sondern auch Usbeken selbst, die ihre eigene Geschichte entdecken wollen.
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Hotel mit Frühstück – schon fast purer Luxus. Frühstück typisch: auf dem Boden sitzend, mit Tee, Brot und ein bisschen Obst. Irgendwie gemütlich, und nach den letzten Tagen draußen auf jeden Fall was Besonderes. Und auch wenn ich das Zimmer nicht teile, war ich beim Essen nicht allein – zwei Amerikaner waren auch da, mit denen ich ein bisschen ins Gespräch kam.
Obwohl ich gestern schon mehrmals durch die Stadt gelaufen bin, ging’s heute nochmal los – und das hat sich wirklich gelohnt. Heute war wohl so eine Art Besuchertag für Schulklassen, und plötzlich war ich mehr die Attraktion als die Altstadt selbst. Ich hab mich gefühlt wie ein kleiner Star – ständig wurde ich angesprochen, überall wollten Gruppen oder Einzelne ein Foto mit mir.
Und obwohl hier auch andere Touristen unterwegs waren, war’s irgendwie immer ich. Keine Ahnung, ob’s an meinen mittellangen Haaren lag, daran dass ich allein unterwegs bin, oder einfach nur Zufall. Jedenfalls wurde ich ständig angestarrt, angesprochen und fotografiert. Und klar, wenn jemand ein Foto mit mir will, will ich auch eins – ein nettes Andenken, und meistens freut sich die andere Person dann noch mehr.
Danach ging’s raus aus der Stadt und weiter mit dem Rad. Nach etwa 40 Kilometern hab ich zwei andere Radreisende aus Frankreich getroffen. Zusammen sind wir noch zu einem riesigen Supermarkt gefahren – wahrscheinlich der größte, den ich hier bisher gesehen hab (bei uns wär’s eher ein kleiner).
Wir haben beschlossen, heute gemeinsam einen Schlafplatz zu suchen – und hatten auch schnell Erfolg. Am Abend saßen wir dann zusammen, haben gekocht (nachdem wir ihren Kocher wieder zum Laufen gebracht hatten) und einfach einen ruhigen, entspannten Abend verbracht. Tat gut, den Tag mal wieder in Gesellschaft ausklingen zu lassen.
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