Tag 204

Glück im Unglück: Ein Tag im Schnee

Ein Tag voller Abenteuer – Schnee und eine unerwartete Rettung


In dieser Woche war mein Vater zu Besuch – wir verbrachten gemeinsam mehrere Tage auf dem Fahrrad. Es war eine besondere Zeit: herausfordernde Etappen und eben auch dieser Tag, den wir so schnell nicht vergessen würden.


Schon am Morgen gab es einiges zu besprechen: Die Karten waren nicht ganz aktuell, und eine mögliche Route führte über eine unfertige Autobahn. Schließlich entschieden wir uns für einen Weg, den auch Komoot vorschlug – zwar ein kleiner Umweg, aber machbar. Der Tag begann mit einer Abfahrt, doch schon bald folgte der Anstieg, der uns fast den ganzen Tag begleiten sollte.


Im ersten Dorf hielten wir kurz beim Supermarkt, doch ein Taxifahrer warnte uns: Unsere geplante Strecke sei unpassierbar – bis zum Hals Schnee. Aber da der alternative Weg über die Autobahn führte, versuchten wir es trotzdem. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass Einheimische manchmal übertreiben, wenn es um die Straßenverhältnisse geht. Also fuhren wir weiter.


Bald verwandelte sich der asphaltierte Weg in eine Schotterpiste, dann in eine matschige Straße – genau wie wir es erwartet hatten. Doch mit jedem Kilometer wurde die Strecke schlechter. In einem weiteren Dorf hieß es wieder: „Hier kommt ihr nicht weiter.“ Aber zum Glück gab es eine Zugstrecke durch die Schlucht. Problem: Der nächste Zug kam erst um 21 Uhr. Also versuchten wir es trotzdem – und falls es wirklich nicht ging, hatten wir genug Zeit, um zum nächsten Bahnhof zu gelangen.


Die Straße wurde immer einsamer, immer schlechter. Die Baustellenfahrzeuge wurden weniger, da die Bahnstrecke und die Brücken hier gerade renoviert wurden. Dann kam die nächste Warnung: „Very dangerous.“ Aber mit dem Fahrrad ist manches einfacher als mit dem Auto.


Im nächsten Dorf fanden wir zum Glück einen kleinen Markt – dringend nötig, denn die Strecke war kräftezehrend. Beim Kiosk fragten wir erneut nach dem Weg: Zwei Leute sagten, wir könnten fahren, zwei andere sagten, es sei unmöglich. Also probierten wir es.


Nach ein paar Kilometern dann plötzlich: eine 1,5 Meter hohe Schneemauer. Aber wir hörten Geräusche – von der anderen Seite kam eine Schneeraupe, nur etwa 200 Meter entfernt. Ich nutzte die Zeit, um mit der Drohne die Strecke dahinter zu checken: keine guten Bedingungen, aber es schien machbar. Doch die letzten 200 Meter zogen sich. Ganze 1,5 Stunden warteten wir, während es immer kälter wurde und die Sonne langsam verschwand. Unser Notfallplan war, im Schnee zu zelten – keine schöne Vorstellung, aber zur Not machbar.


Endlich war der Weg frei. Doch „frei“ bedeutete nicht wirklich fahrbar – es wurde ein langsamer Kampf, teils schiebend, teils fahrend. Im Dunkeln erreichten wir schließlich den Gipfel. Oben lagen immer noch 1,7 Meter Schnee, aber die Abfahrt konnte beginnen. Ich etwas langsamer als mein Vater – zwischendurch rutschten wir sogar ein Stück über den Schnee. Doch unten wartete endlich die Stadt, nur noch wenige Kilometer bis zum Hotel.


Die Hotelmitarbeiter staunten nicht schlecht, als wir um diese Uhrzeit und in dieser Jahreszeit noch ankamen.


Ein absolut aufregender Tag – einer, den ich wohl für immer in Erinnerung behalten werde. Wäre ich allein unterwegs gewesen, hätte ich vermutlich irgendwo im Schnee mein Zelt aufgestellt, da ich selten im Dunkeln fahre. Aber so wurde es ein noch größeres Abenteuer. Manche Erlebnisse lassen sich nicht wirklich in Bildern oder Texten festhalten – und das hier war definitiv eines davon.