Tag 129

Gastfreundschaft im Regen

Heute wohl der bisher besonderste Tag meiner Reise.

Der Morgen begann mit wechselhaftem Wetter, bis es mittags richtig zu schütten begann. Als der Regen allmählich nachließ, riefen mir plötzlich zwei Männer hinterher und winkten mich zu sich. Eine kurze Pause im Trockenen klang verlockend – und erwies sich als goldrichtige Entscheidung.


Nur wenige Minuten später saß ich mit Mohammed und Fatih im Wohnzimmer, trank Tee und wurde spontan zum Mittagessen eingeladen. Mithilfe von Google Übersetzer unterhielten wir uns überraschend gut. Mohammed zeigte mir sogar seinen uralten Koran, den er feierlich aus einem Safe holte – ein stiller, beeindruckender Moment. Zur Krönung durfte ich bei ihnen duschen, wobei leider kurzzeitig der Strom ausfiel und das Wasser etwas an Wärme verlor.


Doch damit war der Tag noch lange nicht vorbei:

Die beiden luden mich ein, die Nacht bei ihnen zu verbringen. Es war erst die zweite Einladung dieser Art auf meiner Reise – und ich nahm sie gern an. Ich musste ohnehin erst in zwei Tagen in Istanbul sein. Während Fatih später nach Hause ging, blieb ich bei Mohammed, einem Arbeiter aus dem Iran, und einem Freund von ihnen in einem kleinen Übernachtungscontainer. Ein leicht komisches Gefühl blieb, weil Mohammed mir sein Bett überließ und selbst auf der Couch schlief – aber er bestand darauf.

Abends musste ich mich sogar anmelden, wenn ich zur Toilette wollte – im Hof wachten nämlich Hunde, die nur auf Mohammed hörten.


Am Morgen waren wieder alle versammelt: Mohammed, Fatih, Fatihs Sohn und zwei weitere Freunde. Die Neugier war groß, der Google Übersetzer im Dauereinsatz. Es gab ein gemeinsames Frühstück, Mohammed reinigte noch mein Fahrrad, und natürlich durften Fotos nicht fehlen – Einzelbilder mit jedem sowie Gruppenfotos. Beim Abschied sagten sie mir: „Du bist hier immer willkommen. Wenn du in der Nähe bist, komm unbedingt wieder.“


Einige Tage später schrieb mir Fatih:

„Tom, wir lieben dich. Komm wieder, Bruder.“

Diese Begegnung war wirklich einzigartig – und wird mir wohl ein Leben lang in Erinnerung bleiben.