Gucken wir mal auf die Zeit in Südkorea zurück. Jetzt schon anderthalb Wochen her, aber irgendwie war die Lust zu schreiben bisher einfach nicht da.
Mit der Fähre kamen wir in Incheon an. Wir, das sind immer noch Hauke und ich – auch in Südkorea fahren wir zusammen. Im Regen ging’s gleich weiter nach Seoul. Schon auf den ersten Kilometern merkt man, wie unglaublich gut die Infrastruktur hier für Radfahrer ist: eigene Ampeln, Kreisverkehre, Brücken oder Tunnel nur für Fahrräder. Das zieht sich durch das ganze Land, selbst wenn wir nicht immer den offiziellen Radweg genommen haben.
Wegen der Knappheit an Hostels und Hotels blieben wir in Seoul nur zwei Nächte, also hatte ich im Grunde nur einen Tag für die Stadt. Trotzdem hat sie mir richtig gut gefallen. Die Einkaufsstraßen mit den unzähligen bunten Schildern, die alten Teehäuser und Tempel – das alles gibt der Stadt ihren ganz eigenen Charme. Was mir auch direkt auffiel: In Seoul und allgemein in Südkorea gibt es unglaublich viele Kirchen. Damit hätte ich gar nicht gerechnet, dass das Christentum hier die größte Religion ist. Ich hatte mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, aber wohl spielt der Wiederaufbau nach dem Koreakrieg eine Rolle, bei dem die USA zusammen mit Kirchen stark geholfen haben.
Eine andere Glaubensrichtung bekam ich dann aber auch zu sehen. Ich wurde auf der Straße angesprochen – erst ein nettes Gespräch, dann eine Einladung zu einem Event. Also bin ich mitgegangen. Es stellte sich als spirituelles Ritual heraus, bei dem es um Karma, Wünsche, Familie und Wiedergeburt ging. Die Gespräche drumherum waren interessant, das Ritual selbst bestand aus verschiedenen Verbeugungen – manche sehr oft –, dazu wurden drei Wünsche verbrannt. Nach etwa dreißig Minuten war es vorbei, und ehrlich gesagt fühlte es sich durch die vielen Bewegungen fast wie eine Yogastunde an. Eine schöne Erfahrung, ein anderer Blick aufs Leben. Sie wollten mich am Ende weder bekehren noch sonst etwas, nur eine kleine Spende in Form von Speisen fürs Ritual. Und ich war auch nicht der einzige Tourist dort – sie scheinen öfter Reisende anzusprechen.
Das war’s dann auch schon mit Seoul. Danach ging’s raus auf den Radweg. Es gibt hier den sogenannten „Vier-Flüsse-Radweg“, der von Seoul bis nach Busan führt – einmal quer durchs Land. Angeblich perfekt ausgebaut, sodass man kaum jemals eine Straße kreuzt. Ganz sicher kann ich das nicht sagen, da wir nur anderthalb Tage darauf gefahren sind, bevor wir Richtung Südwesten abgebogen sind – Richtung Mokpo. Schön war es trotzdem, aber irgendwie bekommt man auf solchen Wegen nicht so richtig das Alltagsleben mit. Man trifft zwar viele Einheimische beim Sport – die Koreaner sind wirklich sportverrückt, egal zu welcher Uhrzeit, bei welchem Wetter oder in welchem Alter – aber das war’s dann auch.
Wir hatten uns außerdem entschieden, zur Insel Jeju zu fahren, von der viele geschwärmt hatten. Also erstmal Richtung Mokpo. Gleich am dritten Morgen lösten wir dann einen Polizeieinsatz aus – wir hatten wegen des Windes zwischen leeren Ferienhütten geschlafen, was dem Besitzer am Morgen wohl nicht gefiel. Die Polizei war aber freundlich, und am Ende zahlten wir dem Besitzer jeder 15 Euro für den Schlafplatz. Alles gut. Abseits des Radwegs fuhren wir oft auf kleinen Wegen zwischen Feldern, durch Dörfer, und da bekam man ein bisschen mehr vom echten Südkorea mit. Trotzdem: die Zurückhaltung der Menschen war deutlich spürbar, und im Vergleich zu den letzten Monaten gab es weniger Kontakt mit Einheimischen.
Kurz vor Mokpo dann mal wieder ein Platten, und so ging’s schließlich mit der Fähre nach Jeju. Die Nacht davor verbrachten wir im Park ohne Zelt – wir mussten ja schon vor sechs Uhr los, also kein Problem. Nur sind die Koreaner Frühaufsteher. Ab 4:30, noch in völliger Dunkelheit, standen schon die ersten auf dem Rasen und spielten Golf. Die Sonne ging erst zwei Stunden später auf. Golf scheint neben Wandern und Radfahren ein weiterer Volkssport hier zu sein – gespielt wird überall, mit leicht größeren Bällen, aber im Prinzip dasselbe Spiel.
Dann also Jeju. Die Insel fühlte sich an wie Urlaub – mal wieder ein bisschen entspannter alles angehen, was gar nicht so geplant war, sich dann aber einfach ergeben hat. Schon der erste Morgen am Strand machte klar: Das wird jetzt etwas ruhiger. Eine wunderschöne Vulkaninsel, mit Wasserfällen, Klippen, Stränden und vielem mehr. Am Ende machten wir noch eine Wanderung auf den höchsten Punkt Südkoreas – tolle Aussicht, und wir hatten richtig Glück mit dem Wetter. Nur kurz saßen wir oben im Nebel. Nicht ohne Grund muss man die Gipfelwanderung vorher reservieren – maximal 800 Personen dürfen pro Tag rauf. Jeju war wirklich großartig, nicht umsonst eines der sieben Naturwunder der Welt.
Mit der Fähre ging’s dann zurück aufs Festland und weiter Richtung Busan. Am zweiten Tag nach der Überfahrt merkte ich, dass mein Portemonnaie weg war – wohl irgendwo verloren. Also fuhr ich zurück, um es zu suchen. Hauke und ich trennten uns dort. Leider nichts gefunden, aber ich hinterließ bei der Polizei meine E-Mail-Adresse, falls es jemand abgeben sollte. Doof, aber kein Drama – kein Grund, die Reise zu stoppen. Also fuhr ich einfach weiter. Dann der nächste Platten, und das Flickzeug wollte nicht so recht – machte also nicht gerade mehr Spaß. Trotzdem waren die zweieinhalb Tage alleine auch schön. Die Strecke führte entlang der Flüsse, ruhig, landschaftlich toll, und am Ende kam ich wieder auf den bekannten Vier-Flüsse-Radweg zurück.
In Busan traf ich Hauke wieder. Wir buchten ein Hostel für zwei Nächte und auch gleich die Fähre für Dienstagabend. Stellte sich heraus, dass ich versehentlich den falschen Zielort gebucht hatte – aber unser eigentliches Ziel war ohnehin ausgebucht, also kein Problem. So kommen wir einfach 90 Kilometer weiter südlich in Japan an.
Den letzten Tag nutzte ich noch, um ein bisschen durch Busan zu spazieren. Tolle Atmosphäre hier. Wenn man die Karte der Stadt anschaut, merkt man, wie riesig und weitläufig sie ist. Die großen Sehenswürdigkeiten liegen außerhalb, also blieb ich einfach in der Nähe. Auch hier eine spannende Gegend: Chinatown, Einkaufsstraßen, Fischmarkt, das Viertel mit den bunten Häusern.
Am Abend kam dann die E-Mail der Polizei: Mein Portemonnaie war gefunden worden – top! Nur: Die Fähre geht in weniger als 20 Stunden, und bis zur Polizeistation sind es 300 Kilometer. Also noch am Abend zum Bahnhof, Ticket gebucht, Rückfahrt gab’s keine mehr. Aber irgendwie kommt man ja immer zurück. Am nächsten Morgen von 5:30 bis 9:30 im Zug, dann weiter mit dem Bus zur Polizeistation – und tatsächlich, ich bekam mein Portemonnaie zurück. Jetzt musste es schnell gehen: Bus zum Busbahnhof, um 10:54 angekommen, Ticket gekauft, 11:00 fuhr der Bus nach Busan. Richtig Glück gehabt – ohne den Bus hätte ich die Fähre wohl verpasst. Drei Stunden Busfahrt, dann noch 45 Minuten U-Bahn, und um 14:45 war ich wieder am Hostel, das direkt am Hafen lag. Von dort ging’s dann gleich weiter zum Check-in – bis 17 Uhr, Abfahrt um 21 Uhr. Alles klappte problemlos.
So endete meine Zeit in Südkorea – drei Wochen, deutlich länger als geplant. Aber eine tolle Zeit.
Gucken wir mal auf die Zeit in Südkorea zurück. Jetzt schon anderthalb Wochen her, aber irgendwie war die Lust zu schreiben bisher einfach nicht da.
Mit der Fähre kamen wir in Incheon an. Wir, das sind immer noch Hauke und ich – auch in Südkorea fahren wir zusammen. Im Regen ging’s gleich weiter nach Seoul. Schon auf den ersten Kilometern merkt man, wie unglaublich gut die Infrastruktur hier für Radfahrer ist: eigene Ampeln, Kreisverkehre, Brücken oder Tunnel nur für Fahrräder. Das zieht sich durch das ganze Land, selbst wenn wir nicht immer den offiziellen Radweg genommen haben.
Wegen der Knappheit an Hostels und Hotels blieben wir in Seoul nur zwei Nächte, also hatte ich im Grunde nur einen Tag für die Stadt. Trotzdem hat sie mir richtig gut gefallen. Die Einkaufsstraßen mit den unzähligen bunten Schildern, die alten Teehäuser und Tempel – das alles gibt der Stadt ihren ganz eigenen Charme. Was mir auch direkt auffiel: In Seoul und allgemein in Südkorea gibt es unglaublich viele Kirchen. Damit hätte ich gar nicht gerechnet, dass das Christentum hier die größte Religion ist. Ich hatte mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, aber wohl spielt der Wiederaufbau nach dem Koreakrieg eine Rolle, bei dem die USA zusammen mit Kirchen stark geholfen haben.
Eine andere Glaubensrichtung bekam ich dann aber auch zu sehen. Ich wurde auf der Straße angesprochen – erst ein nettes Gespräch, dann eine Einladung zu einem Event. Also bin ich mitgegangen. Es stellte sich als spirituelles Ritual heraus, bei dem es um Karma, Wünsche, Familie und Wiedergeburt ging. Die Gespräche drumherum waren interessant, das Ritual selbst bestand aus verschiedenen Verbeugungen – manche sehr oft –, dazu wurden drei Wünsche verbrannt. Nach etwa dreißig Minuten war es vorbei, und ehrlich gesagt fühlte es sich durch die vielen Bewegungen fast wie eine Yogastunde an. Eine schöne Erfahrung, ein anderer Blick aufs Leben. Sie wollten mich am Ende weder bekehren noch sonst etwas, nur eine kleine Spende in Form von Speisen fürs Ritual. Und ich war auch nicht der einzige Tourist dort – sie scheinen öfter Reisende anzusprechen.
Das war’s dann auch schon mit Seoul. Danach ging’s raus auf den Radweg. Es gibt hier den sogenannten „Vier-Flüsse-Radweg“, der von Seoul bis nach Busan führt – einmal quer durchs Land. Angeblich perfekt ausgebaut, sodass man kaum jemals eine Straße kreuzt. Ganz sicher kann ich das nicht sagen, da wir nur anderthalb Tage darauf gefahren sind, bevor wir Richtung Südwesten abgebogen sind – Richtung Mokpo. Schön war es trotzdem, aber irgendwie bekommt man auf solchen Wegen nicht so richtig das Alltagsleben mit. Man trifft zwar viele Einheimische beim Sport – die Koreaner sind wirklich sportverrückt, egal zu welcher Uhrzeit, bei welchem Wetter oder in welchem Alter – aber das war’s dann auch.
Wir hatten uns außerdem entschieden, zur Insel Jeju zu fahren, von der viele geschwärmt hatten. Also erstmal Richtung Mokpo. Gleich am dritten Morgen lösten wir dann einen Polizeieinsatz aus – wir hatten wegen des Windes zwischen leeren Ferienhütten geschlafen, was dem Besitzer am Morgen wohl nicht gefiel. Die Polizei war aber freundlich, und am Ende zahlten wir dem Besitzer jeder 15 Euro für den Schlafplatz. Alles gut. Abseits des Radwegs fuhren wir oft auf kleinen Wegen zwischen Feldern, durch Dörfer, und da bekam man ein bisschen mehr vom echten Südkorea mit. Trotzdem: die Zurückhaltung der Menschen war deutlich spürbar, und im Vergleich zu den letzten Monaten gab es weniger Kontakt mit Einheimischen.
Kurz vor Mokpo dann mal wieder ein Platten, und so ging’s schließlich mit der Fähre nach Jeju. Die Nacht davor verbrachten wir im Park ohne Zelt – wir mussten ja schon vor sechs Uhr los, also kein Problem. Nur sind die Koreaner Frühaufsteher. Ab 4:30, noch in völliger Dunkelheit, standen schon die ersten auf dem Rasen und spielten Golf. Die Sonne ging erst zwei Stunden später auf. Golf scheint neben Wandern und Radfahren ein weiterer Volkssport hier zu sein – gespielt wird überall, mit leicht größeren Bällen, aber im Prinzip dasselbe Spiel.
Dann also Jeju. Die Insel fühlte sich an wie Urlaub – mal wieder ein bisschen entspannter alles angehen, was gar nicht so geplant war, sich dann aber einfach ergeben hat. Schon der erste Morgen am Strand machte klar: Das wird jetzt etwas ruhiger. Eine wunderschöne Vulkaninsel, mit Wasserfällen, Klippen, Stränden und vielem mehr. Am Ende machten wir noch eine Wanderung auf den höchsten Punkt Südkoreas – tolle Aussicht, und wir hatten richtig Glück mit dem Wetter. Nur kurz saßen wir oben im Nebel. Nicht ohne Grund muss man die Gipfelwanderung vorher reservieren – maximal 800 Personen dürfen pro Tag rauf. Jeju war wirklich großartig, nicht umsonst eines der sieben Naturwunder der Welt.
Mit der Fähre ging’s dann zurück aufs Festland und weiter Richtung Busan. Am zweiten Tag nach der Überfahrt merkte ich, dass mein Portemonnaie weg war – wohl irgendwo verloren. Also fuhr ich zurück, um es zu suchen. Hauke und ich trennten uns dort. Leider nichts gefunden, aber ich hinterließ bei der Polizei meine E-Mail-Adresse, falls es jemand abgeben sollte. Doof, aber kein Drama – kein Grund, die Reise zu stoppen. Also fuhr ich einfach weiter. Dann der nächste Platten, und das Flickzeug wollte nicht so recht – machte also nicht gerade mehr Spaß. Trotzdem waren die zweieinhalb Tage alleine auch schön. Die Strecke führte entlang der Flüsse, ruhig, landschaftlich toll, und am Ende kam ich wieder auf den bekannten Vier-Flüsse-Radweg zurück.
In Busan traf ich Hauke wieder. Wir buchten ein Hostel für zwei Nächte und auch gleich die Fähre für Dienstagabend. Stellte sich heraus, dass ich versehentlich den falschen Zielort gebucht hatte – aber unser eigentliches Ziel war ohnehin ausgebucht, also kein Problem. So kommen wir einfach 90 Kilometer weiter südlich in Japan an.
Den letzten Tag nutzte ich noch, um ein bisschen durch Busan zu spazieren. Tolle Atmosphäre hier. Wenn man die Karte der Stadt anschaut, merkt man, wie riesig und weitläufig sie ist. Die großen Sehenswürdigkeiten liegen außerhalb, also blieb ich einfach in der Nähe. Auch hier eine spannende Gegend: Chinatown, Einkaufsstraßen, Fischmarkt, das Viertel mit den bunten Häusern.
Am Abend kam dann die E-Mail der Polizei: Mein Portemonnaie war gefunden worden – top! Nur: Die Fähre geht in weniger als 20 Stunden, und bis zur Polizeistation sind es 300 Kilometer. Also noch am Abend zum Bahnhof, Ticket gebucht, Rückfahrt gab’s keine mehr. Aber irgendwie kommt man ja immer zurück. Am nächsten Morgen von 5:30 bis 9:30 im Zug, dann weiter mit dem Bus zur Polizeistation – und tatsächlich, ich bekam mein Portemonnaie zurück. Jetzt musste es schnell gehen: Bus zum Busbahnhof, um 10:54 angekommen, Ticket gekauft, 11:00 fuhr der Bus nach Busan. Richtig Glück gehabt – ohne den Bus hätte ich die Fähre wohl verpasst. Drei Stunden Busfahrt, dann noch 45 Minuten U-Bahn, und um 14:45 war ich wieder am Hostel, das direkt am Hafen lag. Von dort ging’s dann gleich weiter zum Check-in – bis 17 Uhr, Abfahrt um 21 Uhr. Alles klappte problemlos.
So endete meine Zeit in Südkorea – drei Wochen, deutlich länger als geplant. Aber eine tolle Zeit.
























